Kostenexplosion: Kann sich das Gesundheitswesen gesund sparen?

Es war voll im Rathaussaal; das Interesse groß. Nicht jeden Tag kann man den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, Herr Daniel Bahr, MdB, treffen und befragen; am 06. September konnte man es.

Am 06. September 2010 fand zum dritten Mal das regionale Gesundheitsforum des Vereins „Gesund in Brandenburg an der Havel“ statt und Bahr war gekommen, um – wie er sagte – auch die anerkennenswerte Arbeit des Vereins zu würdigen.  

In dieser Legislaturperiode müsse man mit der Solidargemeinschaft des Gesundheitswesens ernst machen und mehr marktwirtschaftliche Anreize setzen, um die Kosten des Gesundheitssystems nicht steigen und steigen zu lassen. 253 Mrd. betragen aktuell die Gesamtkosten und jährlich werden es mehr.

Der Lottoblock – so wurde zur Einführung gesagt - könnte wöchentlich 25 Mio. ausspielen und die Kosten eines Jahres für die Gesundheit, würden 195 Jahre ausreichen, um das zu finanzieren. 

Auch in der Zukunft werden technischer Fortschritt und die Überalterung der Bevölkerung die Kosten des Gesundheitswesens steigen lassen. Auch für das kommende Jahr sind die Prognosen alarmierend: Wenn nichts passiert, steuert die gesetzliche Krankenversicherung im kommenden Jahr auf ein Defizit von acht bis elf Milliarden Euro zu. Um das zu verhindern, wird das Kabinett eine Reform der Kassenfinanzen beschließen. Zum 1. Januar nächsten Jahres soll der Einheitsbeitrag zur Krankenversicherung steigen: von derzeit 14,9 Prozent auf 15,5 Prozent. Davon sollen die Versicherten 8,2 Prozent tragen. 

Bei einem Haushalt mit einem Nettoeinkommen von 3.000 € betrügen die Mehraufwendungen ca. 6 € pro Monat, die Kosten einer Pizza. Man solle das nicht unterschätzen, aber für den Erhalt der weltbesten Gesundheitsversorgung, sei es nicht unangemessen. 

In Deutschland werde im europäischen Vergleich am häufigsten der Arzt aufgesucht, nämlich 18-mal pro Jahr, das nächste Land ist Italien mit 8-mal. In Deutschland, anders ist es in anderen Ländern, werde niemand von den Therapien ausgeschlossen, die notwendig seien und das soll so bleiben. 

Einsparpotenziale seien auch durch eine bessere Zusammenarbeit der Versorgungsstrukturen gegeben. Er persönlich – so führte der Staatssekretär aus, habe im Sommer auch als Rettungsassistent in einem Notarztwagengearbeitet und persönlich erlebt, mit welchen Verbesserungen in den Abläufen noch Kosten gespart könnten. 

Besondere Sorgen mache ihm die Ausbildung des Ärztenachwuchses, weil der künftige Ärztemangel bereits heute – gerade in ländlichen Regionen – deutlich zu spüren sei. Dabei sollt man auch die Höhe und die Transparenz der ärztlichen Vergütungen sehen. Vielfach lohne sich für einen approbierten Arzt die Niederlassung mit einer Praxis in der Fläche, im Vergleich zu den anderen Angeboten, etwa aus der Industrie, nicht. 

Die Fragen des fachlich versierten Publikums wollten kein Ende nehmen und geduldig und mit hoher Sachkenntnis stellte sich Bahr allen Fragen, selbst den aktuellsten Anmerkungen zu den unter unterschiedlichen Vergütungsmodellen in den einzelnen Bundesländern; immerhin wusste man im Publikum, dass er am Folgetag dazu eine Besprechung habe. Insofern haben die Bürger, aber auch die Experten einen spannenden Abend erlebt.

Presseartikel