Ärztemangel in Brandenburg?

Beim 4. regionalen Gesundheitsforum am 22.06.2011 im Rolandsaal wurde darüber angeregt diskutiert.

Brandenburg an der Havel hat keinen Ärztemangel! Das stellte OB Dr. Tiemann bereits im Grußwort klar. Das vierte Gesundheitsforum des Vereins „Gesund in Brandenburg an der Havel e.V.“ hatte fünf Experten zu einer Podiumsdiskussion zu diesem Thema eingeladen. Tatsächlich - so lernte die etwa 100 Zuhörer – gehört die Stadt nach der offiziellen Versorgungsplanung nicht zu den unterversorgten Gebieten Brandenburgs.

Dagegen – so entrüstete sich das Publikum – scheint es einen gefühlten Ärztemangel zu geben, denn die Wartezeiten auf einen Termin beim Facharzt seien völlig unakzeptabel.

Ralf Herre, der Pressesprecher der Kassenärztliche Vereinigung Brandenburgs, hielt dagegen, andere Regionen des Landes hätten bereits heute einen akuten Mangel an Fach und Hausärzten und es würd gerade in Ostdeutschland in den kommenden Jahren schlimmer. Dennoch hat Deutschland mit der höchsten Ärztedichte überhaupt.

Dr. med. Volkmar Skerra, der Vertreter der Landesärztekammer Brandenburg unterstrich, dass Brandenburg seit Jahren die geringste Arztdichte Deutschlands hat und dass es immer schwerer wird freie Arztpraxen wieder zu besetzen. Obwohl die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland von 2000 bis 2007 sogar um 20.200 gestiegen sei.

Allerdings, so hielt Dr. med. Jens-Uwe Schreck, der Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg dagegen, habe das tatsächlich geleistete Arbeitsvolumen abgenommen. Das habe mit den europäisch erzwungenen Arbeitszeitreduzierungen der Ärzte, der steigenden Anzahl von Ärztinnen und deren Lebensplanungen und mit der zunehmenden Überalterung der Ärzteschaft zu tun. Diese Entwicklungen lassen sich nicht umkehren. Deshalb müssten mehr Mediziner ausgebildet werden.

Viele Abiturienten wollten Medizin studieren, aber sie dürfen nicht! Entgegnete Kristian Otte, selbst Medizinstudent und der Vorsitzende des Ausschusses Medizinstudierender im Hartmannbund. Im letzten Jahr haben sich 16.322 Kandidaten auf 1536 Studienplätze beworben. Deutschland braucht Ärzte, aber überreguliert Studienzugang und Ausbildung. Und wenn sie es dann geschafft haben, bleiben eben nur 60% der approbierten Mediziner tatsächlich in der Praxis. Und leider - so ergänzte Dr. Skerra – würde weder die medizinischen Abschlüsse des Auslandes und sogar nicht einmal die andere Bundesländer so ohne weiteres anerkannt. Da könne noch vieles besser werden.

Der Ärztemangel in Brandenburg veranlasste Sabine Troppens von der Technische Universität Berlin, Fachgebiet Finanzwissenschaft und Gesundheitsökonomie, sogar zu einer Diplomarbeit. Sie legte dar, dass es sehr viele Möglichkeiten gebe, sich dem Problem zu stellen, wenn man beginne mehr miteinander statt gegen- oder nebeneinander zu arbeiten. So könne man einen erleichterten Zugang zum Medizinstudium und die Zuwanderung medizinischen Fachpersonals verbessern oder finanzielle Anreize schaffen, um Niederlassungen in unterversorgten Gebieten zu steuern. In allen „drei Gesundheitsstandorten“, d. h. in ambulanten und stationären Einrichtungen, aber auch im Privathaushalt, könne zudem modernste Technik helfen, Versorgungsengpässe zu mildern. Für die Zukunft gilt es, neue Wege zu gehen, alte Denkmuster und Strukturen aufzubrechen, auf Kooperation zu setzen und Ideen zu verwirklichen.

 Presseartikel MAZ 24.06.2011

Presseartikel Preußenspiegel 29.06.2011 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

 

 

 

 

 

  v.l.n.r.: Dr. Schreck, Dr. Skerra, Fr. Troppens, Hr. Otte, Hr. Herre, Hr. Greve, Fr. Wolter, Dr. Wurche

 

 

 

 

 

 

 

 

v.l.n.r.: Dr. Schreck, Dr. Skerra, Fr. Troppens, Hr. Otte, Hr. Herre, Hr. Greve, Fr. Wolter, Dr. Wurche